Reise blog von Travellerspoint

what a lovely day in Poitiers

overcast 24 °C

Meine Kreditkarte hasst mich langsam bestimmt. Tag ein, Tag aus wird sie in andere Hände abgegeben, die alle nur das eine von ihr wollen. Armes kleines Plastik Ding, welches nur in meiner Geldbörse darauf wartet wieder benutzt und missbraucht zu werden. Heute allerdings, viel mehr als geplant.

Dazu muss gesagt werden...ich fange langsam an die französische Bürokratie nicht zu mögen. Es hat nichts mit der Dame im Office zu tun, die nur französisch spricht sondern damit, dass ich für 3 Monate ein 9qm Zimmer bewohne für welches ich im Monat 225Euro bezahle (mehr als für meine kleine hübsche, schön eingerichtete, gemütliche, mit einem großen Bett versehene Wohnung in Chemnitz). Heute durfte ich auf die Monatsmiete noch einmal 225 drauf zahlen (Kaution) und zu allem Überfluss muss ich mir jetzt auch noch eine Versicherung für mein Zimmer zulegen, welche leider meine deutsche Hausratsversicherung nicht übernimmt. Also ob ich nicht schon genug frustriert bin, wenn es darum geht mit Franzosen zu kommunizieren, die entweder keine andere Sprache können bzw einfach nicht sprechen wollen. Nein, jetzt muss ich auch noch eine Versicherung hier abschließen für 3 Monate....da bekommt man doch schonmal Lust das Zimmer inklusive Möbel in Brand zu setzen. Ich mein, ich biete hier fließend 2 Sprachen an und mehr oder weniger auch eine 3., nämlich französisch und was ist mit denen? Zu stolz um aus ihrem kleinen Nest ihrer Comfort-Zone auszubrechen und sich der Welt zu öffnen und ein klein wenig Gastfreundschaft und Herzlichkeit an den Tag zu legen.

Wo wir gerade bei den Eigenarten der Franzosen sind...wieso kippen Franzosen ihre Eimer mit Dreckwasser einfach aus dem Fenster....in einer vollen Fußgängerzone, in dem Moment, wo ich unter dem Fenster vorbeilaufe????? Mein rechter Fuß war nass (hatte Ballerinas an) und meine Jeans war dreckig und ich will lieber garnicht wissen, was ich da abbekommen habe.

Ich denke, man kann also verstehen, warum meine Laune heute nicht so die Beste war. Und dann kommt noch der Busfahrer im Bus mit seinem französischem Kommentar an, welches ich zuerst nicht verstanden habe. Er schaute mich erwartungsvoll an, während ich ihm meine 1.30€ hinlegte und verlauten ließ "Un billet solo s.v.p" und ich erwartete keine Antwort, denn sonst reden Busfahrer auch nie und auf einmal brach ein Redeschwall auf mich ein. Ich zählte panisch das Geld nach, ob ich ihm evtl. zu wenig hingelegt habe und schaue ihn verdutzt an um darauf zu antworten "Je suis desolée mais je ne comprend pas " (Es tut mir leid, aber ich verstehe sie nicht). Er sagte dann etwas was ich verstanden habe, nämlich dass ich doch lächeln sollte. ... Mir war das ganze ein wenig unangenehm, ich lächelte ihn an, nahm mein Ticket, entwertete es und machte mich auf die Suche nach einem Sitzplatz auf dem ich einfach mal so versinken könnte, vor allen anderen Busmitfahrern, die das ganze Beobachtet haben. Ein wort allerdings habe ich verstanden, undzwar "perdu". Also holte ich meinen Franklin (Übersetzer) aus meiner Handtasche, tippte perdu ein und herauskam: Partizip Perfekt von perdre - verstört oder durcheinander aussehen.
Da bin ich gleich mal bis zum Straßenasphalt auf meinem Sitz versunken. Was interessiert es denn den Busfahrer, wenn ich auch mal schlechte Laune habe, besonders berichtigter Weise, wenn man gerade einen Eimer mit dreckigem Wasser in der Fußgänger Zone abbekommt!

Allerdings, muss ich auch einlenken. Als ich an der Bushaltestelle saß und mein Panini Kebab aß und so wartete kam eine Frau vorbeigelaufen, die mich anstrahlte und mir doch "Bon appetit" wünschte. Sowas würde es in Deutschland wohl eher selten geben. Besonders reizend wie ich es auch, wenn ich andauernd mit Bonjour madame begrüßt werde, sobald ich einen Laden betreten. Das hört sich so niedlich französisch an :)

Ich war heute wieder in meinem absolutem Lieblingsgeschäft in der Innenstadt von Poitiers. Dem Buchladen. Millionen von Büchern (mindestens :) ) verteilt auf sovielen Etagen. Man kommt rein, der Geruch von Büchern liegt in der Luft und die dunklen holzfarbenden, deckenhohen Regale tun den Rest zur Atmosphäre dazu. Es geht mehrere Etagen nach oben und je höher man kommt umso verwinkelter wird es. Es gehen viele kleine Räume ab die alle ihren eigenen Charme haben, egal ob es Kinder-, oder Medizinlektüren sind. Fast unterm Dach des Gebäudes angekommen gibt es einen kleinen Raum indem man seine gebrauchten Bücher verkaufen kann bzw diese auch findet. Sehr viele, sehr alte Bücher, die schon oft gelesen wurden und noch schöne alte, verzierte Einbände aufweisen. ... Wenn ich doch nur französisch könnte, hätte ich mir wahrscheinlich das ein oder andere Exemplar mitgenommen. Na vielleicht tu ich es dennoch irgendwann. Sieht ja schön aus im Bücherregal zu Hause, oder wie mein einer Dozent sagt, in unserer eigenen kleinen Bibliothek.

Ansonsten war ich froh, dass ich mir das Wäsche waschen bis heute aufgehoben habe, da ja meine Jeans heute dem Schmutz zum Opfer gefallen ist. Ich packte also meine gesamte Schmutzwäsche in meine blaue Ikeatüt und tüdelte mal eben so vom Batiment A ins Batiment F zur laverie, die allen ernstes 2 Waschmaschinen und 2 Trockner aufweist für ein Gebäude welches aus 7 Gebäudeteilen besteht, wo es 5 Etagen jeweils gibt mit bis zu 20. Zimmer. Die Chancen standen also relativ schlecht, das etwas frei ist, aber Karma oder Gott oder Glück sei Dank, war alles frei :) Erst hatte ich bedenken, dass die Anweisungen für die Waschmaschinen auf französisch seien und ich nichs verstehen würde (aber wie schwer kann es schon sein, eine Waschmaschine zu bedienen), doch dann erblickte ich kleine Bildchen auf der Waschmaschine. Erleichterndes Aufatmen. Dann der zweite Blick auf die Bilder und leichte Panik machte sich breit...umm häää? Naja im Endeffekt einfach die Bilder ignoriert, Wäsche in die Maschine und tadaaa, sie funktioniert und alles ist saubergeworden. Allerdings gibt es nur die Temperaturregelung zwischen kalt, warm und heiß und wer weiß was die Franzosen unter warm verstehen. So wie es aussieht ist allerdings nichts eingelaufen. Es ist auch relativ günstig. 2,50€ für 1x waschen (30min) und einmal trocknen (40min). Man muss halt nur das richtige Timing erwischen.

Hier noch etwas um das Herz zu erwärmen:

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Ich hätte am liebsten eine geschnappt und mit auf mein Zimmer genommen und adoptiert, ihr verschiedenen Namen gegeben, bis sie bei einem miaut hätte, der ihr gefällt und sie bis zum umfallen mit Lachsschinken gefüttert. Aber leider ist mein 9qm Zimmer etwas zu klein für eine Katze, ansonsten... :)

Als kleines Extra kann ich noch für alle empfehlen, die dem Englischen mächtig sind:

http://vicki-h.travellerspoint.com/

Sehr amüsant und erfrischend geschrieben mit wunderschönen Fotos. Hab mich mehrmals beim Lesen ertappt wie ich Lache musste.

Eingestellt von Pinky 10:03 Archiviert in Frankreich Tagged living_abroad

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Kommentare

hab jetzt auch mal bei vicki-h reingeschaut.. sehr lustig. habs direkt mal als lesezeichen gespeichert (;

von anni1987

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